Ein Gestaltungsexperte gibt sein Wissen weiter

Studierende der Bauhaus-Universität im Kalligrafie-Workshop von Gudrun Illert Foto: Gudrun Illert

Mit Ziehfedern, Strohhalmen und getrockneten Getreideähren

In einem Schriftkurs unterwies die Weimarer Kalligrafin Gudrun Illert Studierende der Bauhaus-Universität in die Unziale

Die Aufgabe des Schriftkurses war das Erlernen von Grundzügen der Unziale (3. - 8. Jahrhundert) und ihren Gestaltungsmöglichkeiten.

Diese Schrift hat sich aus der älteren römischen Kursive entwickelt und ist in ihrer Gesamtgestaltung sehr rund und eine reine Großbuchstabenschrift. Einzelne Buchstaben haben sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert und sich den Gepflogenheiten ihrer Schreiber angepasst. Der Breitfederduktus hat markante Unterschiede zwischen Druck- und Haarstrich. Ihre Schrifthöhe beträgt drei bis vier Federstärken.

Das Verständnis für diese Schrift gründet auf praktischen Fähigkeiten und theoretischen Kenntnissen, die die Studierenden durch die Erfahrung ihrer gestalterischen Anwendung entwickelten, erweiterten und vertieften. Nach dem Erlernen der Grundlagen für diese Schrift sammelten die Kursteilnehmer Erfahrung in der grafischen Umsetzung bis zur visuellen Brauchbarkeit. Der Gestaltungsprozess entwickelte sich aus dem Dialog zwischen Auge und Hand.

Während der beiden Kurstage haben die Studierenden neben den herkömmlichen Schreibwerkzeugen mit unterschiedlichsten Dingen geschrieben: Balsaholz, Mundstücken von Fagott oder Oboe, Pipette, Ziehfeder, Strohhalm, Faltfeder, getrockneten Getreideähren, Stöcken aus der Natur, Borstenpinsel, Schwamm und selbstgefertigten Werkzeugen.

Bei den Schreibübungen war stets auch der Blick auf die Schreibmöglichkeiten mit Kindern gegeben: schließlich sollen sie angeleitet werden, um zu schreiben und zu experimentieren.

Es war ein sehr kreatives Wochenende! Schreiben und mit Schrift zu experimentieren, wurde zu einem tollen Kommunikationsprozess zwischen den Kursteilnehmern und mir.

Autorin: Gudrun Illert