Literarische Gesellschaft Thüringen e.V.

Rede des 1. Vorsitzenden der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V.,

Christoph Schmitz-Scholemann (Foto: Maik Schuck)

Christoph Schmitz-Scholemann, zur Auftaktveranstaltung „Weimarer Kinderbibel“ am 28. September 2011, im Gemeindesaal der Kreuzkirche in Weimar

Meine sehr verehrten Damen, sehr geehrte Herren,
für die Literarische Gesellschaft Thüringen begrüße ich Sie zum Auftakt unseres Projekts "Weimarer Kinderbibel". Ich bin heute Nachmittag sehr fröhlich, weil wir es geschafft haben, diese auf mehrere Jahre angelegte Arbeit zu beginnen. Frau Dr. Seemann und ihr Team haben in den letzten Wochen und Monaten für dieses Vorhaben geworben und gekämpft. Sie haben es geschafft, mit ihren Ideen und ihrer Begeisterung viele Menschen anzustecken und geradezu entbrennen zu lassen.

Es gibt viele gute Gründe für die Weimarer Kinderbibel. Ich will jetzt nur einen Aspekt nennen, der uns als Literarische Gesellschaft in Deutschlands Mitte so hochgestimmt und erwartungsvoll auf dieses Vorhaben schauen lässt. Wir sind ja kein Bibelverein, keine evangelische Einrichtung, noch nicht einmal eine christliche Gesellschaft. Wir haben uns keiner der Glaubensfilialen des Weltgeistes verschrieben, sondern stehen für die Sprache und die Literatur.

Warum also haben wir uns zur Luther-Dekade die Weimarer Kinderbibel auf die Fahne geschrieben? In einem Satz: Martin Luther hat uns die hochdeutsche Sprache geschenkt. Seine Bibelübersetzung hat alles das, was wir an unserer Muttersprache lieben. Sie ist klar und kraftvoll, zupackend, wahrhaftig, gedankenstark und reich an Gefühlsschattierungen. Ich meine: Etwas Besseres kann es nicht geben, als wenn unsere Kinder für sich diese Sprach- und Bildwelt lernend und spielend erobern und zu ihrer geistigen Heimat machen dürfen, sich in ihr bewegen und in sie hineindenken und fühlen können und mit diesem 500 Jahre alten Wortschatz ihr eigenes Ausdrucksvermögen üben und schärfen lernen.

Unser Projekt heißt "Weimarer Kinderbibel", aber das ist nicht als lokale Begrenzung gemeint. Wir haben einfach da angefangen, wo wir sind, hier in Weimar. Wobei wir nicht damit hinter dem Berge halten wollen, dass für uns Weimar eben nicht nur ein geografischer Ort auf der Erdoberfläche ist, sondern auch ein Inbegriff der Sprachkultur in der Mitte Deutschlands. Das ist gewiss auch in Martin Luthers Sinn. Denn er hat sich für die Bibelübersetzung ja nicht irgendeine der zu seiner Zeit gesprochenen deutschen Mundarten gesucht. Er hat aus biografischen, aber auch darüber hinausweisenden Gründen die ostmitteldeutsche Kanzleisprache benutzt, weil sie eine Mittlerin war zwischen den norddeutschen und den süddeutschen Idiomen. Die Weimarer Kinderbibel soll, das ist der hohe Anspruch, über die Grenzen der Stadt und des Landes hinaus nach ganz Deutschland ausstrahlen.

Ich danke unseren Unterstützern, dem Freistaat Thüringen und besonders Herrn Dr. Thomas A. Seidel, dem Lutherbeauftragten der Landesregierung, der Kirchgemeinde Weimar, Herrn Henrich Herbst, dem Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, Herrn Bernd Neumann, der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Frau Dr. Christiane Schulz, und Herrn Jens Schönefeld vom Mitteldeutschen Bibelwerk. Ganz besonders danke ich Ihnen, Frau Dr. Seemann, Frau Greim und Frau Prof. Dreyer, Ihren Mitstreiterinnen, den beteiligten Lehrerinnen und Lehrern, und natürlich auch allen Kindern, die sich in die Sache hineinknien. Ich danke dem Hausherrn, Herrn Pfarrer Krannich, dass wir hier sein dürfen. Ich wünsche Ihnen und uns allen, die sich in dieses Projekt verliebt haben, einen langen Atem und das unbezahlbare, an keiner Börse der Welt handelbare und gerade deshalb so wertvolle Vergnügen stetigen Erkenntnisgewinns.